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MONTAG, 29.05.2011, 22.30h ORF2

"Die Kunst der Körperpflege"

Regie: Werner Boote
Kamera: Dominik Spritzendorfer
Kameraassistent: Mario Hötschl

Schnitt: Emily Artmann

 

Harzen und wachsen tut verdammt weh. Das hat Werner Boote bei den Recherchen zu seinem Film "Die Kunst der Körperpflege" gelernt.
Auch Gewichte stemmen wird nicht sein Hobby werden. Nach dem Besuch bei Gewichtheber Sebastian wollte Boote selbst ein bisschen Sport betreiben und ist ins Fitnessstudio gegangen. Dort hat er etwas übertrieben. "Ich hab' mir nachher nicht einmal die Haare waschen können, derartig haben mir die Arme wehgetan."



In den vergangenen drei Jahren hat Boote zehn Filme für die TV-Reihe der Leidenschaften ("Die Kunst der ... ") gemacht. Boote untersuchte Weihnachtsbeleuchtung, Schundliteratur, Auto-Erotik, Sonnenbräune.
Der neue Film "Die Kunst der Körperpflege" widmet sich den Themen Fußpflege, Brazilian Waxing, Augenbrauenzupfen, Intimhaarentfernung und Fitnessstudio. Warum? "Für Körperpflege hab' ich mich immer schon filmisch interessiert. Ich wollte ja schon lange einen Film über Parfümerien und die Damen der Düfte machen. Und vor Kurzem hab' ich von Waxing gehört, das wollte ich mir anschauen", erzählt Boote im KURIER-Gespräch.





Der Film beginnt mit weniger schmerzhaften Prozeduren. Im Salon von Frau Leopoldine werden Fußpflege, Handpflege und Swimmingpool angeboten. So nennt sie erstens ihr Aquarium und zweitens die Schüssel warmes Wasser, in der die Kunden ihre Füße baden, bevor es Hornhaut und langen Zehennägeln an die Substanz geht. Frau Spurny ist mit ihrem erwachsenen Sohn Franzi hier. Der Franzi, erzählt sie, habe sich früher ja nicht sehr für seine Füße interessiert. Seit dem Frau Leopoldine ihm geraten hat, einmal im Monat zu kommen, ist er "ganz brav".




Boote ist ein komischer, unterhaltsamer Film gelungen, der seine Protagonisten nie bloßstellt. Man lacht mit ihnen, nie über sie.

Sebastian mit dem perfekt gestählten Oberkörper bittet in seine spartanisch eingerichtete Wohnung und zeigt seine sagenhaften Turnübungen. Es ist fast ein bisschen traurig, wenn er sagt: "Körperpflege ist mir wichtiger als Wohnungspflege. Ich wollte mit der Ex hier einziehen, aber das hat sich dann erledigt."

Boote hat einen liebevollen Blick auf Menschen mit manchmal erstaunlichen Körperpflege-Ritualen geworfen. Die Grenze zum Grotesken überschreitet er nicht. Wie das gelingt? "Man muss sich die Mühe machen, den Leuten gerecht zu werden. Ihnen ihre Sager lassen. Man muss die Menschen mögen."