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Dr. Faust

aus dem Opernhaus Zürich

Leben und Werk Ferruccio Busonis sind eng mit Zürich und dem Zürcher Musikleben verbunden: Während des Ersten Weltkrieges sah sich der Komponist und Klaviervirtuose deutsch-italienischer Herkunft plötzlich mit der Situation konfrontiert, dass seine beiden Heimatländer – die Mutter war deutschstämmig, der Vater Italiener – gegeneinander Krieg führten und er sowohl in Deutschland als auch in Italien zur persona non grata geworden war. Schweren Herzens entschloss er sich, ins Exil zu gehen – nach Zürich. Hier wurden die beiden Einakter „Turandot“ und „Arlecchino“ 1917 uraufgeführt, und hier entstand auch ein grosser Teil der „Faust“-Partitur. Nicht nur deshalb gehört der „Doktor Faust“ nach 35 Jahren wieder auf die Bühne des Zürcher Opernhauses.

Beschaffe mir für meines Lebens Rest die unbedingte Erfüllung jeden Wunsches, lass mich die Welt umfassen – den Osten und den Süden, die mich rufen – lass mich des Menschen Tun vollauf begreifen und ungeahnt erweitern; gib mir Genie, und gib mir auch sein Leiden, auf dass ich glücklich werde wie kein anderer.

Ferruccio Busoni

Doktor Faust

Besetzung

Herzogin von Parma: Sandra Trattnigg
Dr. Faust: Thomas Hampson
Mephistopheles: Gregory Kunde
Wagner/Zeremonienmeister: Günther Groissböck
Herzog von Parma/Soldat: Reinaldo Macias
Tenor 1/Krakau 1/Wittenberg 1: Andreas Winkler
Tenor 2/Belzebub/Wittenberg 2: Randall Ball
Tenor 3/Leutnant/Wittenberg 4: Martin Zysset
Tenor 4/Megaros/Wittenberg 5: Miroslav Christoff
Bariton 1/Asmodus/Naturgelehrter: Gabriel Bermudez
Bariton 2/Krakau 2/Wittenberg 3: Mathew Leigh
Bass 1/Krakau 3: Thilo Dahlmann
Bass 2/Theologe/Gravis: Giuseppe Scorsin
Bass 3/Jurist/Levis: Tomasz Slawinski

Dirigent: Philippe Jordan
Inszenierung: Klaus Michael Grüber
Regiemitarbeit: Ellen Hammer
Bühnenbild: Eduardo Arroyo
Kostüme: Eva Dessecker
Lichtgestaltung: Jürgen Hoffmann
Choreinstudierung Jürg Hämmerli

 

Kritik

(SK) Busonis Haupt- und Monumentalwerk stand seit über 30 Jahren nicht mehr auf dem Spielplan der Zürcher Oper, höchste Zeit also, sich wieder einmal dieses Schlüsselwerks des frühen 20. Jahrhunderts zu entsinnen und eine Neuinszenierung zu wagen. Diese wurde bei der Premiere vom Publikum auch sehr freundlich aufgenommen, obwohl sich das Parkett nach der Pause merklich gelichtet hatte. Vielen Premierenbesuchern schien es schwer zu fallen, sich auf weniger vertraute Klänge einzulassen. Doch mit offenen Ohren konnte man sich ganz wunderbarer, polyphoner Musik hingeben. Diese erklang unter dem grossartigen Dirigat von Philippe Jordan, der es meisterhaft verstand, dieser Musik Leben einzuhauchen, den Zuhörer zu verführen und spannungsreiche Bögen zu schaffen. Das Orchester der Oper Zürich lief einmal mehr zur Hochform auf, gestaltete wunderbar subtil, dann wieder – im richtigen Moment – kräftig auftrumpfend. So blieb die Balance zwischen Bühne und Graben stets gewahrt, und die meisten Sänger brachten ihre Texte sehr wortverständlich über die Rampe. Dennoch ist man dankbar, dass nun auch deutsch gesungene Werke übertitelt werden.